Radioaktivität in Lebensmitteln - Analytik & Seminar

Die Tragödie der Reaktor-Katastrophe vom 11. März in Japan ist geographisch weit von uns entfernt, ist aber auch bei uns relevant geworden.
Am 18. März hat die Europäische Kommission den EU-Staaten über das Rapid Alert System for Food and Feed (RASFF) empfohlen Lebensmittel und Futtermittelimporte aus Japan auf Radioaktivität zu überprüfen. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat ebenso die Kontrollen von Lebensmitteln aus Japan verstärkt.
Hintergrund
Während eines Reaktorunfalls wie im Atomkraftwerk Fukushima werden radioaktive Stoffe über die Atmosphäre oder das Wasser in die Umwelt verbreitet und gelangen so in die Nahrungskette. Insbesondere relativ flüchtige instabile Isotope von Caesium und Iod sind von Interesse. Weniger flüchtige Stoffe wie Strontium, Antimon, Uran oder Plutonium liegen als Aerosole oder an Staub gebunden eher lokal vor. Die Halbwertszeit von Caesium-137 ist etwa 30 Jahre, beim Zerfall wird Gamma-Strahlung freigesetzt die man detektieren kann.
Das BAG hat eine Seite zum Reaktorunfall geschaltet. Die EU-Kommission hat mit der VO (EU) 351/2011 vom 11. April 2011 ihre Sicherheitsmaßnahmen für Importe aus Japan noch einmal erhöht. Die bisherigen Höchstwerte wurden an die teilsweise deutlich niedrigeren japanischen Grenzwerte angepasst.
Lebensmittel und Futtermittel müssen entweder vor dem 11. März 2011 hergestellt worden sein, oder nicht aus 12 genannten Präfekturen in Japan stammen - einschliesslich der Küstengewässer, oder keine Gehalte an Iod-131, Caesium-134 und 137 aufweisen, die die Höchstwerte der VO (EU) 351/2011 überschreiten. Importierte japanische Lebens- oder Futtermittel müssen eine entsprechende Konformitätsbescheinigung vorweisen.
In der Schweiz hat das BAG entsprechende harmonisierte Regelungen getroffen.
Tabelle: Auszug Maximalwerte EU VO 351/2011
| Lebensmittel [Bq/kg] | Iod-Isotope, insbes. I-131 | Caesium Cs-134/137 |
| Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder | 100 | 200 |
| Milch und Milcherzeugnisse | 300 | 200 |
| Flüssige Lebensmittel | 300 | 200 |
| Sonstige Lebensmittel, außer flüssigen Lebensmitteln | 2000 | 500 |
Die Einheit Bq/kg – Bequerel pro Kilogram – gibt die Anzahl der Atome an, die pro Sekunde radioaktiv in einem Kilogramm Probe zerfallen.
Analytik
Gamma-Spektrometer messen die charakteristische Gamma-Strahlen und können dadurch Caesium-134 und Caesium-137 bis zu einer Bestimmungsgrenze von 3 Bq/kg (3 Zerfälle/Sekunde in 1 kg Probe!) direkt nachweisen. Mit einem neu eingerichteten Spektrometer kann jetzt auch Iod-131 gemessen werden. Es sind relativ grosse Probenmengen von 1 kg nötig. Bei Bedarf können auch andere radioaktive Isotope gemessen werden. Die Analysenkapazität ist limitiert, so dass eine zeitige Beauftragung der Analysen ratsam ist. Es kann zu Verlängerung der Analysenzeiten kommen. Elemente – ohne Auflösung nach Isotopen – können mittels ICP-MS gemessen werden. So können die Gesamtmengen an Uran, Strontium oder Thorium nachgewiesen werden.
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Wolfgang Moritz
Kundenbetreuer Analytik & Marketing
Eurofins Scientific AG Schweiz
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